Mehr Lebensqualität durch besseres Sehen
Neues Präventionsprogramm in der Tagespflege
In Zusammenarbeit mit dem Blindeninstitut Würzburg hat die Nachbarschaftshilfe Vaterstetten, Zorneding, Grasbrunn e.V. das Präventionsprogramm „Gutes Sehen“ in der Tagespflege in Baldham eingeführt. Die stellvertretende Ressortleiterin Joanna Wasniewska wurde zur Sehbeauftragten ausgebildet. Wir haben nachgefragt, was sich nun ändert.
Wie lief das Präventionsprogramm „Gutes Sehen“ ab?
Das Präventionsprogramm “Gutes Sehen” ist ein langfristiges Projekt, dass wir im vergangenen Herbst gestartet haben. Bei einem gemeinsamen Begehungstag mit dem Präventionsteam wurden unterschiedliche Optimierungsmaßnahmen besprochen und Empfehlungen erarbeitet, um „Gutes Sehen“ dauerhaft in unserer Einrichtung zu verankern. Tatsächlich ist die Tagespflege bereits sehr gut sehgerecht ausgestattet, was die Beleuchtung und die Kontraststärke unserer Räume angeht.
Wo wurde noch nachgebessert?
Zahlreiche wertvolle Tipps konnten wir gut umsetzen: Kontrastreiche Elemente wie Untersetzer und Teller mit farbigem Rand erleichtern das Essen, während verschiedene Leselupen und zusätzliche Leuchten das Basteln und Lesen angenehmer machen. Zur besseren Orientierung haben wir die Handläufe mit Kontraststreifen versehen. Das gesamte Team hat sich intensiv mit dem Thema Augengesundheit auseinandergesetzt – so stellen wir sicher, dass diese Verbesserungen langfristig Bestand haben und die Lebensqualität unserer Gäste nachhaltig verbessern.
Wie sieht der Alltag in der Tagespflege für Sehbeeinträchtigte aus?
Wir stellen uns unseren Gästen namentlich vor, bei Gästen mit Gesichtsfeldausfall oder einseitiger Erblindung sprechen wir diese ausschließlich von der sehenden Seite an. Des Weiteren nehmen wir natürlich Rücksicht auf Gäste, die eine hohe Blendempfindlichkeit haben oder auch einen höheren Lichtbedarf. Danach richten wir auch unsere Aktivitäten aus: Wir bieten Vorleserunden und haben zum Beispiel Lupen und spezielle, taktile Würfel für Spiele. Beim Basteln achten wir darauf, dass Materialien gut zu greifen sind. Und nicht zu vergessen: Wir haben eine sprechende Uhr.
Gab es etwas, das Sie bei der Schulung überrascht hat?
Wir haben mit Simulationsbrillen Praxistexts durchgeführt. So konnte sich jeder selbst einmal in die Lage eines sehbeeinträchtigten oder blinden Menschen versetzen. Das fand ich sehr hilfreich, da man im Alltag nicht merkt, wie schwierig alltägliche Tätigkeiten wie Essen, Gehen oder Lesen mit einer Einschränkung des Sehvermögens sein können. Diese Verschlechterungen treten ja meist nicht plötzlich ein, auch die Betroffenen gewöhnen sich langsam daran und stellen dann aber erfreut fest, dass ein andersfarbiger Teller oder mehr Licht im Alltag sehr hilfreich ist.

Das ist auch für Angehörige wichtig zu wissen.
Ja. Deshalb bieten wir als Tagespflege in regelmäßigen Abständen Angehörigennachmittage, bei denen wir Fragen beantworten, praktische Tipps für den Alltag geben und generell für die Bedeutung des Sehens sensibilisieren möchten. Auch das Präventionsteam „Gutes Sehen“ organisiert Onlineinfoveranstaltungen für Angehörige und betreibt ein Infotelefon, wo man sich beraten lassen kann.
Welche konkreten Tipps geben Sie Angehörigen?
Wir empfehlen, regelmäßig eine augenärztliche Untersuchung durchführen und gegebenenfalls eine Sehhilfe anpassen zu lassen. Gerade bei Menschen mit Demenz können mithilfe von Symboltests aussagekräftige Ergebnisse über deren Sehvermögen gewonnen werden. Zudem können wir Tipps zur Gestaltung der Wohnumgebung, zur Auswahl geeigneter Hilfsmittel und zur Kommunikation mit sehbeeinträchtigten Personen geben. Mit diesem Wissen können Angehörige im Alltag besser unterstützen.
Vielen Dank für das Gespräch.
Beratung für Angehörige: https://www.blindeninstitut.de/de/angebote/beratungsangebote/